Entstehung der Zirkusarbeit in Barsinghausen

Mit der Einführung des Osterferienpasses wurde 1987 erstmals ein Kinderzirkusprojekt von der Jugendpflege angeboten. Mit dem Clownsduo Bim und Harry (deutscher Kleinkunstpreis 1990) wurde der Grundstein für die erfolgreiche Zirkusarbeit der Stadt Barsinghausen gelegt.

Die Resonanz auf neue Angebote war riesig. Nach einer Woche intensivem Training boten die Kinder ihren Eltern, Verwandten und Freunden eine begeisternde Zirkusrevue. Das Geheimnis von Bim und Harry bestand zweifellos darin, die besonderen Fähigkeiten der Kinder zu erkennen und in den Mittelpunkt der Show zu stellen. Zu den traditionellen Zirkuselementen gesellten sich bald Tanz, Gesang, Pantomime und Theater. In den nächsten Jahren war der Zirkusworkshop stets einer der Höhepunkte im Ferienprogramm. 40 Kinder fanden so jedes Jahr zu den Zirkuskünsten und übten fleißig für ihren großen Auftritt. Und jedes Mal wurden die Eltern von einem völlig neuen Programm überrascht. In den fünf Jahren, in denen Bim und Harry Ferienpassmaßnahmen durchführten, betreuten sie rund 200 Kinder aus Barsinghausen.

Zirkus Baldoni

Seit Sommer 1994 findet regelmäßig in den Sommerferien ein weiteres bemerkenswertes Projekt statt. Vierzig Kinder aus Barsinghausen und Wennigsen zwischen sechs und zwölf Jahren haben hier die Gelegenheit, hinter die Kulissen eines richtigen Familienzirkusses zu schauen. Fünf Tage wohnen sie in einem kleinen Zeltdorf neben dem Zirkus "Baldoni". Sie können Tiere pflegen und üben in Workshops wie Akrobatik, Jonglage und Seiltanz Kunststücke ein. Das Training übernehmen hier die Angehörigen des Zirkusses sowie Honorarkräfte, die selber auf eine langjährige artistische Erfahrung zurück blicken können. Am Abschlusstag des Projektes stehen 40 aufgeregte Kinder gemeinsam mit den Berufsartisten in der Manege und zeigen dem staunenden Publikum ihre erlernten Tricks.

KIJUCIBA

Nach einigen vergeblichen Anläufen gelang es der Jugendpflege nach dem zweiten "Baldoni"-Projekt im Herbst 1995, eine feste Trainingsgruppe ins Leben zu rufen. Schon im Vorfeld gab es ein Angebot im Kinder- und Jugendhaus Egestorf, das sich mit Akrobatik und Jonglage beschäftigte. Die Anfänge waren eher bescheiden: Fünf Kinder und Jugendliche trafen sich jeweils dienstags mit einer Trainerin und übten einige Kunststücke. Mit dem Umzug in die Turnhalle der Adolf-Grimme-Schule boten sich mehr Möglichkeiten, KIJUCIBA (KInder- und JUgendCIrcus BArsinghausen) war geboren. Dieses neue Angebot der Jugendpflege sprach sich schnell herum und so waren es im Winter immerhin rund 10 Kinder, die bei dem ersten öffentlichen Auftritt mitmachten.

Der TSV-Kirchdorf engagierte die jungen Artisten erstmals. Der kleine Auftritt vor der Siegerehrung bei einem Kinderfußballturnier begeisterte Veranstalter und Besucher dermaßen, dass spontan ein Hut herumgereicht und fast 100 DM Spenden gesammelt wurden.

Am 18. Januar 1998 veranstaltete KIJUCIBA die erste nachmittagsfüllende Gala in der Aula der Adolf-Grimme-Schule. Im Vorfeld waren die Zirkusmitglieder für eine knappe Woche in die Bildungsstätte Drübberholz (Verden) gefahren, um dort zu trainieren und neue Nummern zu erarbeiten. Die Aufregung kurz vor Showbeginn steigerte sich bei den Kindern und den Leitern bis ins Unermessliche. Zum aller ersten Mal kam das Publikum nur für die Barsinghäuser Gruppe. Die Show wurde ein voller Erfolg. Es kam unerwartet viel Publikum und auch das Programm konnte sich sehen lassen, wobei kleine Pannen den jungen Artisten gerne verziehen wurden.

In den folgenden Jahren trat der Kinder- und Jugendcircus Barsinghausen mehrere hundert Male zu den unterschiedlichsten Anlässen auf. Egal ob auf der Straße oder einer großen Bühne, die jungen Menschen verstanden es bisher immer, ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. Zu den Höhepunkten gehörten sicherlich immer wieder Gemeinschaftsshows mit anderen Gruppen wie beim "Tag der Niedersachsen" oder im GOP-Varieté Hannover.

Konzept

KIJUCIBA ist inzwischen eine der erfolgreichsten Projekte niedersächsischer Kinder- und Jugendzirkusarbeit. Das Besondere ist zweifellos, dass über 80 Kinder und Jugendliche (6 bis 26 Jahren) in einer Haupt- und einer Nachwuchsgruppe gemeinsam kreativ sind. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, in ihren Shows die klassischen Zirkusdisziplinen wie Akrobatik, Jonglage oder Seiltanz mit Elementen aus Schauspiel, Tanz und Pantomime zu verknüpfen. Dabei ist es schon immer ein wichtiges Anliegen gewesen, dass jeder seine Ideen mit einbringen kann. Das Leitungsteam sammelt Impulse der Kinder und Jugendlichen, setzt diese gemeinsam mit ihnen um und fügt sie zu einer Show zusammen. In der jährlich stattfindenden großen Galavorstellung begeistern die Nachwuchsartisten immer wieder Hunderte von Zuschauern.

Zukunft

KIJUCIBA soll nicht nur Spaß machen - Zirkus heißt Lernen fürs Leben. Durch den sozialen Umgang miteinander erlernen die Jugendlichen sogenannte "Softskills" wie nebenbei. Jeder übernimmt Verantwortung für sich und andere, ist mit Engagement und Ausdauer bei der Entwicklung von Projekten dabei und baut sein Selbstbewusstsein durch Auftritte auf. Aber auch der künstlerisch-kreative Aspekt gibt vielen Teilnehmern wichtige Impulse für die Zukunft mit. Wir sind so sehr stolz darauf, dass zwei unserer Ehemaligen inzwischen die Profilaufbahn eingeschlagen haben (Ausbildung an der Staatlichen Schule für Artistik/ Berlin). Wir wünschen Tim Schneider und Christof Buch alles Gute!

Die LAG - ein Netzwerk

Die Stadt Barsinghausen ist Gründungsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Zirkus. Diese Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Netzwerk der niedersächsischen Kinder- und Jugendzirkusgruppen aufzubauen und zu pflegen. Neben den vielen organisierten Gemeinschaftshows wurde so 1997 der "Niedersächsische Jugendzirkus" gegründet. Hier entstand ein Pool von 40 Jugendliche ab vierzehn Jahren aus ganz Niedersachsen, die ein Programm erarbeiteten, indem sie noch mehr gefordert wurden als in ihren Heimatzirkussen.

Auch sechs Mitglieder von KIJUCIBA waren in der ersten Besetzung der "Circ'a Holix" dabei. In dem Programm "Ballegro" konnten sich die Barsinghäuser als Akrobaten, Kugelläufer, Seiltänzer und Jongleure einbringen und viele erfolgreiche Auftritte bestreiten.

Seit 1997 konnten sich 19 Teilnehmer von KIJUCIBA bei den Castings durchsetzen und gehörten immer wieder zu den Leistungsträgern. Annika Dickel -jahrelange Leiterin des KIJUCIBAs - nimmt auch hier seit Jahren eine wichtige Position im Leitungsteam ein. Höhepunkte für alle Beteiligten waren diverse Auslandsreisen - Festivals in England, Frankreich, den USA, Marokko oder Indien gaben immer wieder wichtige Impulse für die weitere Zirkusarbeit.

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